Review Les Becs d'Autan Hollywood

Eine Replik des Dukoff 1949 Hollywood Tenorsaxophon-Mundstückes

Ein Mundstück zu besprechen und zuletzt zu bewerten ist weitestgehend eine ganz persönliche Angelegenheit; gewiss, es gibt objektive Kriterien: die Präzision der Produktion, die Qualität des Finish und selbstverständlich auch, ob das betreffende Mundstück funktioniert und uneingeschränkt spielbar ist. Aber bereits bei der Frage, wie hoch oder gering der Blaswiderstand auszufallen habe, scheiden sich die Geister, ebenso, wie ein Mundstück zu klingen habe, ist nicht allgemeingültig festzulegen.

Weil insbesondere die zuletzt erwähnten Fragen und Antworten individuell ausfallen, stelle ich diesem Review des Les Becs d’Autan Hollywood kurz einige persönliche Bemerkungen voran: die Entdeckung des Saxophons fiel bei mir im Alter von etwa vierzehn Jahren mit der des Jazz zusammen: ich hörte eine Langspielplatte des Duke Ellington Orchestra. Die Aufnahmen entstanden Anfang der vierziger Jahre, also während der nach Jimmy Blanton und Ben Webster benannten Ära dieses Ensembles. Diese beiden Musiker prägten während dieser Entwicklungsphase den Sound und sogar das Repertoire des Duke Ellington Orchestra‘s ganz entscheidend. Mir fielen, als ich damals diese Langspielplattte hörte, sofort zwei Musiker auf: Ben Webster und Johnny Hodges. Die Klänge, die diese beiden ihren Saxophonen entlockten beeindruckten mich tief und nachhaltig: dieser große, runde Klang, dessen Wärme und Farbigkeit, seine Griffigkeit und vor allem seine gesangliche Qualität.

In den nachfolgenden Jahren hörte ich viele Saxophonisten, all die bedeutenden Meister ihres Faches und diejenigen unter ihnen, deren Klang diese schwer zu beschreibende gesangliche Qualität aufwies, waren jene, denen ich zu folgen versuchte…

Warum erzähle ich diese Geschichte? Einerseits damit ersichtlich ist, welches Kriterium meine Beurteilung des Les Becs d’Autan Hollywood maßgeblich beeinflusste, andererseits weil die besondere Qualität dieses Mundstückes sich im Grunde mit einem einzigen Satz beschreiben lässt:

Dieses Mundstück singt!

Das Mundstück ist eine Replik des Dukoff Hollywood, der Modelvariante aus dem Jahr 1949. Dexter Gordon blies ein solches, für ihn individuell gefertigtes Mundstück. 

Immer wenn ich an das Tenorsaxophon denke, fällt mir sofort Dexter Gordon ein und der Klang, den er mit diesembesonderen Mundstück erzeugte, liegt mir im Ohr.

Wie nah das Les Becs d’Autan Hollywood am Original liegt, mag ich nicht entscheiden: mir fehlt die unmittelbare Vergleichsmöglichkeit. Die Kammer des Mundstückes ist sehr groß, die Seitenwände tief ausgehöhlt; es gibt einen kurzen, flachen Rollover-Baffle, der sich in seiner Mittelachse konkav verjüngt: das sich ergebende v-förmige Profil des Baffles erinnert an das Design der sogenannten Dukoff Hollywood Zimberoff Vibra Modelle, welche in äußerst geringer Stückzahl Anfang der fünfziger Jahre entstanden. Dieser kurze, flache Baffle sorgt für Präsenz und Projektion, Brillianz und eine schnelle Ansprache und Artikulation, welche sehr hoch aufgelöst wirkt. Das v-förmige Profil des Baffle befördert offenbar diesen auffällig klar definierten Kern des Tones; da die Gegenwand nach dem Rollover rasch in die voluminöse Kammer abfällt, gibt es im Klang dieses Mundstückes im besonderen Maße Tiefe, Wärme, eine dunkle, sehr farbige Grundsubstanz des Tones. 

Substanz sagt alles: der Ton dieses Les Becs d'Autan Hollywood ist massiv, äußerst dicht, substanzvoll! Er klingt zugleich griffig und kernig, ohne jedoch eine metallische Härte zu entwickeln.

Auffällig, wie wandlungsfähig der Klang dieses Mundstückes ist: es folgt rasch der Intention seines Bläsers, weich, zart ist möglich, jedoch auch laut, raumfüllend und hervorstechend. Aber, selbst wenn man dieses Hollywood hart bläst, ihm eine gewisse Schärfe entlockt, der Klang bricht nie auseinander oder wirkt schrill. Sehr gelungen auch der Klang der hohen Lage: offen, seidig.

Der Blaswiderstand wirkt zunächst ein klein wenig höher als etwa der des Florida-Modells dieses Herstellers, welches sich äußerst flüssig bläst. Doch der Eindruck täuscht: was erst als etwas höherer Widerstand anmutet, ist wohl eher etwas, das ich als Nähe zum Kern des Tones umschreiben möchte. Man meint, die Substanz des Tones körperlich zu spüren… Wie dem auch sei: dieses Konzept oder Design kommt der Tonkontrolle zugute! Intonation, Dynamik und Farbe sind ungewöhnlich gut zu beeinflussen. Die dynamische Spannweite enorm. Die Substanz des Tones bleibt immer intakt, ganz gleich ob man pianissimo oder fortissimo bläst: sehr beeindruckend! 

Wie auch das Florida Modell des Herstellers ist dieses Mundstück ganz hervorragend verarbeitet. 

Wie lässt sich der Unterschied zwischen dem Florida und dem Hollywood beschreiben? Vielleicht, kurz gefasst, auf diese Weise: das Florida, ein free-blowing Mundstück, klingt offen, rund, glatt, warm, glänzend. Das Hollywood eröffnet eine reichere Farbigkeit, der Klang ist gewaltig groß, aber zugleich sehr konturiert und griffig… Man versteht, wenn man das Hollywood hört oder bläst, weshalb Dexter Gordon damals das Original wählte. Jemand schrieb einmal, sein Ton und seine Phrasen wirkten, als ob sie in Stein gemeißelt wären, diesen Eindruck erzeugt, wenn man es entsprechend bläst, auch die Replik aus Frankreich.

Es ist erfreulich, dass ein solches Mundstück in Europa in dieser herausragenden Qualität produziert wird!  Ich kenne derzeit tatsächlich kein Mundstück, das mir besser gefällt und größere Freude bereitet!

 

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